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Ein gutes Opfer

„Du Opfer!“ – ein Schimpfwort, das vor wenigen Jahren noch weit verbreitet war. Besonders unter Jugendlichen. Inzwischen, so mein Eindruck, wird es seltener gebracht. Zum Glück! Denn ich finde es ein äußerst unangebrachtes, ja menschenverachtendes Schimpfwort. Was damit ausgedrückt wird: Macht, Verachtung, Überlegenheit, Geringschätzung!

Daran habe ich gedacht, als wir uns in einer 10. Klasse im Unterricht über „Opfer“ unterhalten haben. Es hat mich überrascht, dass zu Anfang nur wenige an das Schimpfwort dachten – schön, wenn es sich überlebt hat!

Ziemlich schnell war aber Schluss mit Einfällen zu dem Wort. Allenfalls war noch von „Verkehrsopfern“ und „Kriegsopfern“ die Rede. Von mehr aber nicht. Und ich habe wieder gemerkt, dass es ein altmodischer Begriff ist für eine Handlung, die noch altmodischer ist. Opfern? Das haben alte Religionen gemacht. Grausame Handlungen haben dabei stattgefunden. Darüber sind wir heute weit hinaus.

Aber opfern wir heute nicht auch immer wieder etwas? „Ich opfere mein Taschengeld.“ „Ich opfere meine freie Zeit.“ „Ich opfere meine Gesundheit“ Und so weiter.

In der Klasse sind wir am „Zeit opfern“ hängen geblieben. Und plötzlich war der Begriff positiv besetzt: Wie schön, wenn jemand für mich Zeit opfert, mir also eigene Zeit schenkt. Wie gut, wenn jemand sich mir zuwendet, ganz für mich da ist – auch ein Opfer. Solche Opfer, darüber waren wir uns einig, sind Opfer, die gut tun, die für niemanden Verzicht oder Verlust bedeuten. Solche Opfer sind ein Geschenk für die Menschen, denen sie gegeben werden. Und davon bräuchten wir eigentlich mehr.