Soziale Scham
Tafel Saarbrücken – kennen Sie diese Einrichtung? Das Prinzip ist simpel und überzeugend: Ehrenamtliche sammeln in Geschäften Lebensmittel ein, die nicht mehr verkauft werden können. Anschließend werden diese an Menschen weitergegeben, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen – Menschen mit geringem Einkommen, Flüchtlinge, Alleinerziehende und andere. Eine sehr sinnvolle Einrichtung! Einerseits hilft sie, dass Nahrungsmittel nicht weggeworfen werden. Andererseits unterstützt sie Menschen mit wenig Einkommen.
Vor einiger Zeit war ich dort, um Fotos von der Arbeit vor Ort zu machen – von Ehrenamtlichen, die dort arbeiten, von Menschen, die dort Unterstützung bekommen. Plötzlich sprach mich jemand an: „Bitte fotografieren Sie mich nicht. Mein Kind schämt sich so dafür, dass ich hier anstehe.“
Dieser Satz traf mich völlig unvorbereitet und machte mich im ersten Moment sprachlos. Dann kam das Erschrecken: Was ist mit uns, mit unserer Gesellschaft los, dass ein Kind sich für Eltern schämt, die bei der Tafel anstehen? Und schließlich auch Wut und Ärger: Warum muss man sich dafür schämen, Lebensmittel zu nutzen, die sonst achtlos im Müll gelandet wären?
Diese Begegnung liegt schon eine Weile zurück – mein Erschrecken, mein Unverständnis, mein Ärger sind geblieben. Was macht so eine Scham mit einem Kind? Wie müssen sich seine Eltern fühlen? Ich will nicht in einer kalten Gesellschaft leben, in der solches Denken verbreitet ist!
Ich hoffe sehr, dass die Familie weiterhin den Mut hat, das Angebot der Tafel anzunehmen. Hilfe zu brauchen ist kein Makel, sondern menschlich.