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Erforsche mich, Gott

Sommerzeit ist die Zeit zum Auftanken – egal, ob im Urlaub in der der Ferne oder einfach nur in den freien Momenten, die ich hier vor Ort draußen verbringen kann. Der Sommer mit Licht und lauer Luft macht es mir viel leichter meine Kraftquellen zu spüren und aufzutanken.

Dabei fällt es mir dann auch leichter, bewusst mit Gott, mit der Quelle meines Glaubens und Lebens in Verbindung zu sein. Beim Fahrradfahren im Sommerwind vergesse ich die Lasten des Alltags eben schneller, als wenn ich bei Regenwetter im vollgestopften Bus von der Arbeit heimfahre. Und dass Gott mich trägt und mir etwas schenkt mit jedem Augenblick des Lebens – das vergesse ich sehr oft unter all dem, was mir der Alltag mit aller Organisation so abverlangt. Die Sommerzeit macht mich durchlässiger für die Quellen, die mich stärken. Das ist Auftanken für den Alltag.

„Ja“, sagt eine Bekannte, „Du hast recht, mir geht das auch so“. Und sie erzählt mir von ihrem Waldspaziergang am Sommerabend: „Ohne Angst gehe ich in den hellen Abendwald, im Sommer ist das leicht und ich raffe mich gern noch auf. Vor ein paar Tagen ist da eine Krähe neben mir auf den Weg geflattert. Krähen sind schlaue Tiere und sehr verständig! Ich habe sie gelockt: Komm, habe ich gesagt, komm mit mir. Wir gehen spazieren und ich habe dich gern bei mir. Wirklich, sie flatterte immer wieder neben mir. Immer ein paar Meter voraus zu einem Baum, dann hüpfte sie wieder zu mir auf den Weg. Zum Abschied, als ich wieder in mein Auto stieg, hat sie auf einem Ast gesessen und den Kopf schief gelegt und einmal gekrächzt. Das hat mir so richtig gut getan. Ich war nicht allein. Und ich habe gespürt, dass ich etwas Besonderes kann. Das ist wie Beten für mich gewesen.“

Ich verstehe die Frau gut, denn es kommt nicht darauf an, in die Ferne zu reisen, um aufzutanken, sondern auf meine Bereitschaft, Gott – oder wie immer Sie ihre tragende Kraft nennen mögen – in meine Nähe zu lassen. Wie die Krähe mithüpfte auf dem Spaziergang, so kann Gott schützend bei uns sein.

In einem Psalm heißt es: „Erforsche mich Gott und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne, wie ich`s meine.“ Mit seinem Gebet macht der Psalmbeter auf sehr direkte Art deutlich, wie Gott mich stärken kann, wenn ich nur darum bitte, wenn ich ihn nur einlasse in mein Herz.

Die Bitte des Psalmbeters ist auch meine Sommerbitte: „Erforsche mich Gott und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne, wie ich`s meine.“ In der Zeit, in der der Alltag um mich herum ein wenig zur Ruhe kommt, werde ich offen für die Kraft, die mich trägt. Und mir ist dabei besonders wichtig: Gott ist der, der mich kennt – bis in die Tiefe meines Herzens schaut er, ohne mich auszunutzen. Gott kann erkennen, wie ich es meine – keine Missverständnisse, die den Alltag oft so mühsam machen. Einfach zulassen, dass ich getragen bin und geleitet werde. Das macht mich stärker und offener. Ich kann dann auch wieder vorurteilsfreier oder einfach mit barmherzigem Vergessen in meinen Alltag gehen: der Streit mit der pubertierenden Tochter wird weggeblasen vom lauen Sommerwind, denn auch sie hat ja ein Herz, das darum ringt, es gut zu meinen. Die Auseinandersetzung um den Schichtplan der Station, auf der ich arbeite, tritt in den Hintergrund – vielleicht komme ich gar nicht zu kurz mit den freien Tagen, wenn ich es ohne Stress einfach laufen lasse.

„Erforsche mich Gott und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne, wie ich`s meine. Sieh, ob  ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Weg.“  Lassen Sie sich ein auf Ihr Gottvertrauen: Gott weiß ja, wie Sie`s meinen!