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Atelier

Als ich das Atelier der alten Künstlerin zum ersten Mal betrete, bin ich überwältigt: Denn es steht voll. Egal wo ich hinschaue – da ist schon etwas. Farben, Skulpturen, Materialien, Geräte, Reste – oder ist das schon Kunst? Ich kann es nicht beurteilen und auch nicht unterscheiden. „Völliges Chaos!“ denke ich, doch zu der grauhaarigen Frau gewandt, kommt nur ein „Wow!“ über meine Lippen. Mehr kann ich nicht sagen. Mir fehlen die Worte. Ihr aber nicht. Und so führt sie mich durch ihr kleines, übervolles Reich und erzählt. Sie erzählt von Visionen und Träumen in Grün und in Blau. Von Phantasie und Auftragsarbeiten. Sie erzählt von Inspiration und von Scheitern, von unvollständig gebliebenen Stücken, mit denen sie sich versöhnt hat, und von denen, die wie ein Stachel in ihrem Fleisch noch in einer Ecke stehen und sie schmerzlich daran erinnern, dass manches wohl nie vollendet wird.

Langsam wird auch für mich aus diesem Chaos ein Raum der Möglichkeiten. Möglichkeiten, die Form und Farbe annehmen, Gestalt finden, in einem schöpferischen Akt entstehen, oder unvollständig bleiben, gar auseinanderbrechen. Nicht den Erwartungen ihrer Schöpferin oder des Auftraggebers entsprechen.

Und mir erschließt sich ein Raum der intensiven Kommunikation.

Je länger ich ihr zuhöre, desto wohler fühle ich mich in ihrem Atelier und ich sehne mich nach mehr genau solchen Räumen. Räume, in denen Menschen miteinander, mit sich selbst und auch mit ihrer Inspiration, mit Gott, ins Gespräch kommen können.